Die e-card ist (schon|noch) eine Bürgerkarte

Letzten Freitag gab es unter dem Titel „e-card als Bürgerkarte: Was die neue Signatur dem Bürger bringt” eine Pressekonferenz des Bundeskanzleramts, der Plattform Digitales Österreich und des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Wie nicht anders zu erwarten, war der präsentierte Inhalt uninteressant, alt bzw. eine komplette Themenverfehlung. Aus der ebenfalls verwirrenden Presseaussendung entstand dann bei den Agenturen und den nicht anwesenden Medien dann Schlagzeilen wie „Sauber und sicher”: e-card wird zur Bürgerkarte oder eCard wird zur Bürgerkarte. Ich darf diese Meldungen hier mal schnell korrigieren. 1) Es gibt keine „Bürgerkarte” Der Begriff österreichische Bürgerkarte steht nicht für eine spezielle Karte, sondern ist vielmehr ein Konzept, das Verwaltungsverfahren und Behördengänge sicher auf elektronischem Wege ermöglichen soll. Die Fa. A-Trust verkauft zwar eine Karte unter dem Begriff „Bürgerkarte”, tatsächlich lässt sich aber jede aktuelle Bankomat/Maestro-Karte bzw. auch die aktuell eingesetzten e-cards als „Bürgerkarte” freischalten. 2) Die e-card wird ab 2008 eine Bürgerkarte Falsch! Bereits jetzt lässt sich die e-card als Bürgerkarte freischalten und benutzen. Alle bei der PK demonstrierten Funktionen, wie etwa die Online-Zustellung oder der Online-Strafregisterauszug lassen sich BEREITS SEIT Jahren mit einer beliebigen Karte mit freigeschalteter Bürgerkartenfunktion durchführen. 3) Anfang 2008 soll die eCard mit einer qualifiziertern Signatur erweitert und somit auch als „Bürgerkarte” eingesetzt werden können. Falsch! Derzeit aktivierte Karten mit Bürgerkartenfunktion können bereits jetzt als „Bürgerkarte” eingesetzt werden. Problematisch wird es nur mit dem 1.1.2008. Damit sind wir nämlich bei dem eigentlichen Grund für die Pressekonferenz: Die bisher im Rahmen der Bürgerkartenfunktion eingesetzte „Verwaltungssignatur” verliert nämlich mit Jahreswechsel ihr Gültigkeit. Sie wurde durch das E-Government-Gesetz nur bis Ende 2007 der sicheren Signatur gleich gesetzt. Damit war die SV unter Zugzwang, entweder die Gültigkeit der Verwaltungssignatur per Gesetzt/Verordnung verlängern zu lassen, oder ihre Karten für ein qualifiziertes Zertifikat (und damit eine sichere elektronische Signatur) zertifizieren und freischalten zu lassen. Der Hauptverband hat sich anscheinend, zusammen mit der Republik Österreich, für die zweite Lösung entschieden. An der Funktionalität der Karten und der Software ändert sich, auch wenn es in der PK und den daraus folgenden Artikeln anders rüber kommt, zunächst einmal gar nichts. Was weder in der Pressekonferenz, noch in der Aussendung erwähnt wurde, ist die Tatsache, dass man mit dem qualifizierten Zertifikat auf der e-card nun endlich nicht mehr auf die proprietäre österreichische Bürgerkartenlösung (am Client und Server) angewiesen bin, sondern standartisierte Funktionen wie etwa „SSL certificate-based client authentication” (Online-Banking, Shopping, etc.) oder die etwa die digitale Unterschrift für elektronische Rechnungen, oder signierte PDFs nutzen kann.

Zusammenfassung

Da eine gesetzlich verankerte Übergangsregelung mit Ende des Jahres ausläuft, musste der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträge die auf den von ihm ausgegebenen e-cards aufgebrachte Verwaltungssignatur durch eine sichere elektronische Signatur in Form eines qualifizierten Zertifikats austauschen. Im Rahmen der dadurch „erforderlichen” Pressekonferenz wurde wieder massiv Werbung für die „Bürgerkartenfunktionalität” gemacht, obwohl sich an dieser durch den Wechsel der Signatur auf der Karte nichts ändert. Die Probleme hinsichtlich der Akzeptanz der „Bürgerkarte” werden sich durch den Siganturwechsel nicht verflüchtigen. Warum Anbieter und Softwarehäsuer noch kommen und darum betteln, die Bürgerkartenfunktion integrieren zu können, wie es Sektionschef Manfred Matzka vom Bundeskanzleramt so blumig formulierte, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wie „erfolgreich” das Konzept „Bürgerkarte” bisher war, erkennt man an den Zahlen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger: Auf meine Frage meinte deren Vertreter, dass der Hauptverband bisher etwa 20.000 Freischaltungen (bei > 8 Mio. Karten) der Bürgerkartenfunktion durchgeführt hat. Der stellvertretende Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, hofft, dass von den 8,4 Millionen e-card-Besitzern im kommenden Jahr 100.000 die Bürgerkartenfunktion nutzen werden.

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[Sonntag, 20081005, 22:04 | permanent link | 0 Kommentar(e)

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