Was machen „Digitalminister” eigentlich hauptberuflich?
Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) so:
Jobs wie Programmierer werden nach Ansicht von Digitalminister Karsten Wildberger durch Künstliche Intelligenz ersetzt und wegfallen. „Eine KI kann heute unglaublich gut programmieren“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Vor ein paar Jahren haben wir gesagt: Jeder muss programmieren lernen. Aber heute werden viele Programmierjobs durch eine KI ergänzt und gegebenenfalls auch ersetzt.“
Erstens würde ich mit von einem „Digitalminister” erwarten, dass er/sie den Unterschied zwischen „Programmcode erzeugen” und „Programmieren” versteht. Nur weil eine Autokorrektur auf Steroiden syntaktisch korrekten Code generieren kann, ersetzt das mittel- und langfristig keine Programmierer:innen.
Und es gilt noch immer, dass es gut wäre, wenn „alle” (nicht „jeder”) programmieren lernen würden. Das vermittelt analytisches und logisches Denken, Problemlösungsskills, Verständnis für Algorithmen und noch viele andere Fähigkeiten, die wir täglich brauchen. Mit diesen Skills lassen sich dann auch Prompts formulieren, die dann ev. brauchbaren Code ausspucken.
Schon Vierjährige können programmieren lernen. LLMs („AI”) errichten unnötige Barrieren, indem sie Menschen suggerieren, nicht Programmieren lernen zu können. Diese Aussagen implizieren, dass viele Menschen zu dumm seien, um Programmieren zu lernen und sie sich daher auf den Mist verlassen müssen/sollen, den die Bots ausspucken. Der Digitalminister drängt Menschen also in eine sinnlose Abhängigkeit von größtenteils USA-basierten Diensten.
Weiters meinte Hr. Wildberger:
Unmittelbar betroffen seien auch Arbeitsplätze in Callcentern, da Chatbots zunehmend Anfragen übernehmen.
Cory Doctorow hat dieses Thema bereits sehr schön zusammengefasst:
Der stetige Aufstieg des Outsourcings von Callcentern ins Ausland ebnete den Weg für den Ersatz durch KI, genauso wie Walmart den Weg für Amazon ebnete. … Sobald Unternehmen ihre Kundendienstabteilungen durch ausgebeutete Callcenter-Mitarbeiter im Ausland ersetzt haben, die auswendig gelernte Antworten aus einem Dreiringordner vortragen mussten und weder die Befugnis noch die Fähigkeit hatten, Ihr Problem zu lösen – warum sollte man sie dann nicht durch KI ersetzen?
Wenn der Zweck einer Kundendienstabteilung darin besteht, den Leuten zu sagen, sie sollen sich verpissen, dann ist ein Chatbot offensichtlich die effizienteste Art, diesen Dienst zu erbringen. Es ist nicht nur so, dass ein Chatbot weniger als ein Mensch kostet, um den Leuten zu sagen, sie sollen Scheißen gehen – der Chatbot selbst symbolisiert schon das „Schleich Di!“.
…
… die stundenlangen Wartezeiten auf einen Kundendienstmitarbeiter waren schon immer ein Mittel, um Wert von Kunden und Mitarbeitern auf die Aktionäre zu verlagern. Unternehmen könnten ihr Personal in ihren Callcentern aufstocken. Unternehmen könnten bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten und die Zahl der Menschen reduzieren, die Kundenservice benötigen. Indem sie sich weigern, beides zu tun, lassen sie dich in der Warteschleife hängen, bis du vor Wut schäumst, und erwarten dann von Ihren Mitarbeitern, dass sie mit deiner Wut fertig werden. Das Ganze der KI zu überlassen, macht absolut Sinn – deine Probleme werden nicht gelöst, und sie müssen den Chatbot überhaupt nicht bezahlen, wenn du dich über ihn ärgerst
„Wir haben das mit KI gemacht“ ist zum Synonym für „Es ist uns egal, ob das gut gemacht wird“ geworden
Zitate aus:
- Pluralistic: AI “journalists” prove that media bosses don’t give a shit (11 Mar 2026)
- Pluralistic: Which jobs can be replaced with AI? (06 Aug 2025)
- Pluralistic: Understaffing as a form of enshittification (23 Mar 2026)
Hr. Wildberger hatte aber noch einen Banger:
Wildberger mahnte mehr Flexibilität in der Arbeitswelt an. „Die Zeiten, dass man darauf spekulieren kann: Ich habe einen Job für die nächsten 30 Jahre, so schön das ist, die sind vorbei“
Ja, seit den 1980ern, nicht zuletzt dank Reagan und Thatcher. Das hat nix mit AI zu tun. Oder, um ein gängiges Meme zu zitieren:
Boomers worked one job for 40 years. Millennials work 40 jobs in one year. Gen Z is questioning why jobs even exist.
P.S.: Gen-X: “Work hard, play hard”
Tagged as: digitalisierung, itfails, itfailsDE, rant | Author: Martin Leyrer
[Sonntag, 20260329, 14:29 | permanent link | 0 Kommentar(e)


