Die „Ungenauigkeiten” rund um Windows Vista - Teil I: Hardware

Österreich hat ein Vista-Blog. „Schön”, sagen sich jetzt viele sicherlich. „Und?”, fragen sich sicherlich noch mehr. Na gut, muss ich genauer werden. Also betrieben wird es von Georg Binder, den ich (noch) nicht, aber hoffentlich bald, kenne und der ein – na sagen wir mal – „Nahverhältnis” zu Microsoft hat. Er gehört zu der Mannschaft, die zwar eigentlich Microsoft, aber nicht bei dem Unternehmen angestellt ist. Im About zu dem Blog wird über Georg geschrieben „… wenn neben seinen Tätigkeiten für Microsoft Österreich noch Zeit bleibt, …”. Noch Fragen zur Unabhängigkeit des Blogs? Update: Ich sollte mir wirklich etwas mehr Zeit zum Lesen nehmen: Ganz unten auf der Seite steht (Dunkelgrau auf Schwarz): ©2006 Microsoft Corporation. Nicht sehr auffällig, aber doch. Ein entsprechender Hinweis im „About/Über den Autor” wäre IMHO angebracht. OK, also ein Propaganda-Blog für Windows Vista. Aha. OK. Nicht sonderlich aufregend. Ja, aber … ;) Es gibt da immer wieder Themen/Aussagen/Snippets, die meinen Blutdruck in die Höhe schnellen lassen – abgesehen davon, dass ich von den wirklich „tollen” Features von Vista bis jetzt noch nichts gesehen habe. Aber das kommt dann wahrscheinlich am 31.1/1.2. 2007 mit dem Consumer-Launch von Vista. Aber dazu mehr ein anderes mal. Heute möchte ich mich ein wenig dem Thema „Hardware-Anforderungen von Windows Vista” zuwenden und ein wenig beleuchten, was dazu so gesagt wird und was ich davon halte (falls das jemanden interessiert ;). Wenn nicht – Pech gehabt, ich schreibe trotzdem weiter. HE HE HE!

 


 

Das Windows Vista/Longhorn recht anspruchsvoll ist, was die Hardware betrifft, hat Bill Gates schon 2003 bei der ersten öffentlichen Präsentation von (damals noch) Longhorn nicht verschwiegen. 2+ GB RAM, 4-6 GHz CPUs, Festplatten mit 1 Terabyte Kapazität – das waren die Eckpfeiler der Systeme mit denen Microsoft für den Launch von Longhorn gerechnet hat. Und nachdem es zahlreiche Verzögerungen gab, sind diese Voraussetzungen JETZT schön langsam auch vorhanden. Rechner mit zwei Gigabyte RAM sind mittlerweile ohne Probleme erhältlich (wenn man das nötige Kleingeld hat) und die erste (einzelne) Festplatte mit der Kapazität von einem Terabyte hat Hitachi dieser Tage angekündigt. So, was braucht man also alles für Windows Vista? Wie überhaupt bei den neuen Microosft Produkten ist diese Frage nicht klar und einfach zu beantworten. Zu viele Optionen und „wenn, dann”s hat Microsoft seinem Produkt spendiert. Es fängt an mit einem „Windows Vista Capable PC”. Dieser Minimal-PC braucht laut Microsoft eine 800 MHz CPU, 512 MB RAM und eine DirectX9 Grafikkarte. Fein, ist ja gar nicht sooooo schlimm, oder? Naja, dafür bekommt man aber auch nicht viel. Zum Beispiel sieht die neue Oberfläche Aero nicht sondern wird mit einer leicht überarbeiteten XP-Teletubbi-Oberfläche verwöhnt. Nachdem in den letzten Wochen und Monaten Aero als eine der besten Erfindungen seit geschnittenem Brot von Microsoft angepriesen wird und ich es schon gar nicht mehr hören kann, wie angenehm und produktiver diese neue Oberfläche das Arbeiten nicht macht, würde ich sagen, dass ein „Vista Capable” PC keine vernünftige Option ist. OK, wenn nicht „Vista Capable”, dann was Ordentliches. Einen „Windows Vista Premium Ready PC”. Heheh. Aber der kann Aero. Locker sogar. Dafür muss er laut Microsoft auch ein wenig mehr können und haben. So zum Beispiel eine 1 GHz CPU, 1 GB RAM und eine DirectX 9 Grafikkarte MIT WDDM Treiber. Georg vom PropagandaVista-Blog legt sogar noch eins drauf und meint, dass die CPU ruhig schneller sein dürfte und 2 GB RAM auch nicht schaden würden. So, ist ja gar nicht so schlimm, oder? LOL. OK, Microsoft Windows Betriebssysteme waren, als sie auf den Markt kamen, immer für Maschinen am oberen Ende der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Geräte angesiedelt (ansonsten käme das Unternehmen ja in Zeitprobleme, bis das nächste OS (zu spät) fertig ist). Was ich aber nicht verstehe ist, warum Microsoft (und Georg) nicht einfach klipp und klar sagen „Für Vista brauchst Du …. Wenn Du das nicht hast, wird Vista vermutlich trotzdem laufen, aber nicht mit allen Features”. Aber der Satz kommt nicht/kaum. Statt dessen hört man nur „läuft schon ab …” mit den Spez. von „Capable”. Na egal, weiter im Text. Georg macht seinen Blog mit verweisen auf Online-Standard Meldungen auf, welche sich auf die Hardware-Anforderungen von Vista beziehen. Obwohl in diesen Artikeln jene Werte und Anforderungen aufgezählt werden, die auch Georg in seinem Blog angibt, bezeichnet er diese Artikel als „Unsinn”, ohne weiter darauf einzugehen. Zweites Ziel von Georg sind die Hardwarehersteller. Die haben laut Georg „naturgemäß weniger ein Interesse, dass die alten Maschinen weiter verwendet werden, denn sie verdienen hauptsächlich am Verkauf neuer Rechner”. Als Beispiel zitiert er die Werbung für eine 256 MB Grafikkarte, die für den Betrieb von Vista nicht „notwendig” ist. Weiter geht er auf das Thema nicht ein. Ich würde das daher so interpretieren, dass Vista durchaus auf bestehenden Rechnern voll lauffähig ist. Leider lässt er sich zu dem Thema nicht weiter aus, sagt aber: „es ist schwer ein Neugerät zu bekommen, dass nicht Vista tauglich wäre.”. Schön, aber für all jene, die sich in den letzten Jahren ein Gerät gekauft haben, werden sich wegen Vista kein neues kaufen. Ich hätte mir schon erwartet, dass er auf dieses Thema genauer eingeht. Und dann wäre da noch diese kleine Abkürzung „WDDM” bei den Anforderungen für einen Premium PC. Ist dem geschätzten Leser dieses Wörtchen aufgefallen? WDDM ist das neue Treibermodell von Vista. Kein WDDM, kein Aero. So einfach ist das. Und nun die Quizfrage: Wofür werden Hardwarehersteller WDDM-Treiber schreiben?

  1. Für bereits verkaufte Hardware, die in den Geräten der Vista-Kunden steckt.
  2. Für Hardware, die der Hersteller noch verkaufen will
Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich dem geneigten Leser als Übungsaufgabe. Wieder ein Punkt für einen neuen PC. Aber der WDDM-Spaß ist noch nicht zu Ende. Was passiert, wenn man High Definition (HD) Inhalte von Blu-Ray oder HD-DVD mit Vista wiedergeben will (was gar nicht so unwahrscheinlich ist, da ja das Media Center inkludiert ist)? Richtig! Es wird nicht funktionieren. Zumindest nicht auf den üblichen 32-Bit CPUs, die derzeit noch viele Geräte verbaut haben. Wenn man HD Inhalte sehen will, muss man sich eine 64-Bit CPU und das dazu passende Windows kaufen (und die derzeit noch nicht vorhandene 64-Bit Software nicht vergessen). Und nicht vergessen, Grafikkarten für derartige System werden vermutlich auch teurer werden, da die Hersteller die 64-Bit-WDDM-Treiber von Microsoft zertifizieren lassen müssen, sonst funktionieren sie nicht. Update: Ich sollte mir angewöhnen, genauer zu lesen. Wenn man etwas weiter stöbert, findet man nämlich heraus, dass anscheinend nicht Microsoft, sondern die Softwarehersteller die HD-Inhalte an- und abdrehen können. Selbe Situation, anderer Bösewicht. Macht doch richtig Spaß, oder? Ganz besonders lustig wird es dann aber, wenn sich Georg dem Vorwurf „Die meisten Firmen haben PCs, die nicht Vista tauglich sind!” widmet. So schreibt er:
… in Österreich haben die meisten Firmen aus steuerlichen Gründen (Abschreibung) PCs 4 Jahre lang, dann wird es ausgetauscht. Aus diesem Grund sind einfach die meisten Geräte bereits jetzt - oder bald - Vista tauglich.
Lieber Georg, bist Du wirklich der Meinung, dass a) alle Unternehmen 2002 neue Rechner gekauft haben und b) bereits 2007, ohne einem Servicepack auf Vista wechseln werden? Ja, natürlich gibt es die „Early Adopter” und „Referenzkunden”, die bereits jetzt auf Vista laufen, aber wir reden hier von den wirklich großen Installationen, tausende von PCs, wo jedes Update, jede Neuinstallation, jeder Rollout zu einer generalstabsmäßig geplanten Operation wird, die Monate dauert. Wie soll das funktionieren? Das geht nur mit neuen PCs die, wie Du richtig schreibst, nur alle paar Jahre ausgetauscht werden. Eine Neuinstallation von Vista auf bestehenden Geräten halte ich in großen Setups ausgeschlossen. Das schafft ja nicht mal die „überschaubare” Microsoft Dependance hier in Österreich, wie Du hier schreibst: „sind jetzt wirklich alle bei Microsoft Österreich auf Windows Vista unterwegs (es sei denn, die Hardware reicht tatsächlich nicht…)”. IMHO wird Georgs Aussage auch nicht dadurch „wahrer”, dass er Sie wiederholt von sich gibt. Georg, kurzes Gedankenspiel: Im Jahre 1999 wurden, dank der Y2K-Panik, VIELE PCs ausgetauscht, neu angeschafft, etc. Folgt man nun Deiner Logik, waren/sind diese PCs bis 2003/2004 im Einsatz. Wenn ich an mein – mit etwas RAM aufgepepptes – Thinkpad T20 denke, würde ich sogar sagen, dass diese PCs im Bürobereich durchaus immer noch im Einsatz sind. Kombiniere ich das mit der Tatsache, dass ich bis jetzt noch keinen zwingenden Grund gesehen habe, warum ein Unternehmen auf Vista wechseln sollte – Office 2007 läuft auch unter XP, die einfachere Installation sollte jedes größere Unternehmen mit Tools von Drittherstellern bereits im Griff haben, andere Vista-spezifische Anwendungen, die einem Unternehmen einen Business Value bringen, habe ich noch nicht gesehen – und dem Fakt, dass JEDE Umstellung Geld kostet, sehe ich eigentlich nicht, dass die Unternehmen in Scharen zu Vista wechseln (werden). Wie bei allen neuen Windows-Versionen, wird es – vor allem bei den großen Unternehmen – ein sehr langsamer Prozess sein. Bei den Unternehmen, die noch auf Windows 2000 arbeiten werden die Pläne IMHO so für eine Migration im Jahre 2008 gefasst sein, die Firmen, die aber schon auf XP sind, können mal 1-2 Servicepacks oder sogar Fiji abwarten. Genug für heute, bald folgt der zweite Teil von „Die ‘Ungenauigkeiten’ rund um Windows Vista”.

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[Montag, 20070108, 01:08 | permanent link | 0 Kommentar(e)

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