Bitte nehmen Sie die in den U-Bahn-Bereich mitgebrachten Zeitungen wieder mit

Thomas Knüwer schreibt: Es gibt derzeit einen Satz, den ich von den Podien dieser Welt nicht mehr hören mag: „Zeitungen wird es immer geben.” und Cem meint: Ich glaube, dass es grundsätzlich möglich ist, in Deutschland eine professionelle Online-Publikation zu erstellen, die sogar unabhängig von den großen Medienkonzernen ist. Ich sehe das nicht so – zumindest für den österreichischen Markt und die österreichischen Leser. In Österreich ist man nur online nichts. Es braucht einen großen Medienkonzern im Rücken, damit man wahrgenommen wird. Lasst mich das weiter ausführen …

 


 

Werfen zunächst mal einen kurzen Blick auf die IT-Berichterstattung in der diversen österreichischen Medien:

Tageszeitungen

Inhaltlich je nach Ausprägung von „Neues Handy” bis zu „Firma XY hat mich eingeladen, deswegen schreibe ich jetzt über …”. Vom Umfang zumeist 1-2x in der Woche etwa eine Seite. Ab und an gibt es noch eine „IT” Sondernummer.

 

Wochen/Monatsmagazine

Wenn, dann auf dem üblichen „Business” Level mit SAP, CRM und irgendwelchen „Sicherheitsthemen”. Meist ein paar Seiten weiter hinten. Eventuell auch ein paar „High-Tech” Gadgets, die auch die Redakteure gerne „hätten”.

 

Computerwelt

Die Granddame der österreichischen IT-Berichterstattung. Ursprünglich wöchentlich, haben die Damen und Herren jetzt auf eine zweiwöchige Berichterstattung umgestellt. Online gibts das pro-forma News-Angebot, das einen aber nicht vom Hocker reißt.

 

E-Media und Co.

No comment.

 

derstandard.at/web

Versucht mehr Postings/Tag als heise.de zu schaffen. Ausgewogen ist anders, es herrscht eine offene Linux-Affinität vor. Viele Berichte schlecht von C|Net oder Wired übersetzt. Ab und an eine gute lokale Meldung. Immer noch dem „mehr Klicks == mehr Geld” verhaftet. Fürchterliche Navigation, Frames erschweren verlinken auf einzelne Artikel. Web 2.0 beschränkt sich auf Kommentare und gelegentliche Chats.

 

futurezone

Das IT-Feigenblatt des ORF. Seit dem 19. April 1999 online, hat sich der Dienst nicht viel geändert. Meldungen können kommentiert werden, das wars. Leicht „geekig” angehaucht, ist die futurezone nur bedingt massentauglich, hat durch Möchl und Co. aber einen guten Privacy/Datenschutz Schwerpunkt.

 

Output, Monitor, Telekom Presse, Peter F. Mayer, it&t business, Report

Business-Orientierte Hochglanzmagazine. Homepages als Präsentationsplattform. Inhalte eher „seicht” für Manager geschrieben. Eine kritische Auseinandersetzung mit IT und deren Folgeerscheinungen findet nicht statt. Präsentation von Köpfen und Autos herrscht vor.

 

WCM

Früher (Disclaimer: ich war dort mal Redakteur) mal das „technischste” Medium in Österreich. Nach dem Konkurs dieses Jahr ist meiner Einschätzung nach alles offen. Neben dem Weiterbestehen auch die inhaltliche Richtung. Seit der Konkursanmeldung gab es keine öffentliche Äußerung der Verlagsleitung oder der Redaktion, wie es denn nun inhaltlich weitergeht, wie sich das WCM in Zukunft positionieren wird. Die News auf der Homepage setzten derzeit Moos an, das angeschlossene Forum plätschert so dahin. Pod- und Videocast sind nach einer Ausgabe wieder eingeschlafen.

 

Austria Lifestyle digital (al-digital oder kurz ALDI)

Von den Machern des „erfolgreichen” Relaunches des WCM nach dessen Konkursanmeldung gegründet, richtet sich das Magazin an die jungen, interessierten Menschen, die Sinn für Technik, Design und Lifestyle haben, im urbanen Raum und immer am Puls der Zeit sind. Diese Leser bekommen eine „hübsch” aufbereitete Ansammlung von Presseaussendungen zu einem überhöhten Preis. Und weil ihre Leser „am Puls der Zeit” sind, gibt es online außer den Mediendaten nichts – nicht mal das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe.

 

 

Jup, das wars. Aus. Ende. Finito. Wer mehr oder was anderes gedrucktes braucht, muss, wenn es deutsch sein soll, auf die Angebote aus Germanien (c’t, iX, Computerbild, …) zurückgreifen. Von Radio und TV wollen wir (von ein paar löblichen Ausnahmen wie etwa „Netwatcher” auf Radio orange) gar nicht erst reden. Online schaut es aber auch nicht besser aus. Deutschsprachig sind, wenn man die FuZo und den Standard ausklammert eigentlich heise und Golem sowie Gulli relevanter als die div. Online-Portale der Zeitungen, etc. Und mit Blogs will ich gar nicht anfangen. Entweder handelt es sich um Web 2.0 verliebte, die jenseits des Browserfensters gar nichts mehr sehen, oder Plattform/Produktverliebte die außerhalb ihres Produktes nix kennen (wollen). Von den Propagandablogs, die von den Unternehmen betrieben werden, will ich gar nicht erst anfangen. Wer also des Englischen nur bedingt mächtig ist und einen Browser und/oder RSS-Reader nicht benutzen kann/will, wird in Österreich auf dem Niveau von „das iPhone ist Super”, „warum hat HP so viele Laptopmodelle” und „es gibt kein Office außer dem von Microsoft” informiert. Österreich-Bezug und etwas tiefergehende IT-Berichterstattung fallen unter den Tisch – und das, obwohl IT/EDV mittlerweile immer öfter als vierte Kulturtechnik angesehen wird. Wo sind die Formate wie ein „The Register” oder ein Walt Mossberg, die den Firmen auch einmal „zuwesteigen” und anprangern, wenn etwas nicht so toll ist? In Österreich hat sich mittlerweile im IT-Bereich ein Konsens-Journalismus etabliert, bei dessen Anlick einem eigentlich schlecht werden müsste. Die Gründe dafür? Sicherlich Faulheit bzw. die geschrumpften Redaktionen, für die es halt einfacher ist, Aussendungen leicht zu adaptierern, anstatt sich neue Geschichten auszudenken. Vorstellbar wäre natürlich auch ein gewisser Druck aus den Anzeigenabteilungen, die um ihre Buchungen fürchten – auch wenn so etwas eigentlich nicht vorkommen dürfte. Aber was dagegen unternehmen? Soweit, dass man professionellen, maßgeblichen, gelesenen und werbefinanzierten Online-Journalismus in Österreich betreiben könnte, sind wir IMHO noch lange nicht. Das klappt ev. schon in den USA bei InfoWorld (und da bin ich schon gespannt, wie es in einem Jahr aussehen wird), aber in Österreich kann ich mir das derzeit noch nicht vorstellen. Meiner Erfahrung/Meinung nach sind sowohl die Leser, als auch die Werbetreibenden immer noch so im Print-Denken verhaftet, dass es rein online nicht klappen wird (von so Ideen wie bei sevenload.de, dass nicht die Anzahl Klicks, sondern die Qualität der Leser/Seher für den Anzeigenpreis relevant ist, will ich jetzt gar nicht anfangen). Und ein Papier-Magazin auf die Beine zu stellen, dazu braucht es Geld. Viel Geld. Ein gutes Konzept, gute Redakteure und ein exzellentes Marketing. uvm. Nur lohnt sich das heutzutage überhaut noch? Sollte man nicht einfach ein wenig (aber wie lange?) warten, bis sich gedrucktes Papier nicht einfach selbst überholt hat? Was meint Ihr? Braucht Österreich ein „wirkliches” IT-Medium? Wenn ja, in welcher Form? Print, Online, Podcast, Vlog, Radiosendung, TV-Sendung, …? Eher schnelle kurze News oder umfangreichere Hintergründe? Oder ganz was anderes? Ich würde mich über zahlreiche Kommentare freuen. Auslöser für dieses Blog waren zwei andere Blogs: Thomas Knüwer: Den Teufel in die Hirne malen Cem Baseman: Deutschland ist reif für eine unabhängige professionelle Online-Publikation

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[Donnerstag, 20071004, 00:50 | permanent link | 2 Kommentar(e)

Ich glaube, dass so schnell nichts an die c't herranreicht. War schon frher immer so und wird wohl auch so bleiben. Und seit diese Zeitschrift von einem monatlichen Buch auf ein zweiwchentliches Buch umgestiegen ist, bleibt mir eh kaum mehr Zeit zum Lesen. Die Mrkte sind mittlerweile auch nicht mehr so unterschiedlich, wie es noch vor einigen Jahren mal war. sterreichische-Computerzeitschrift? WAYNE

Offensichtlich hast Du kein trackback, da ich nichts davon sehe, wenn ich zu Deinem Beitrage auch was in meinem Blog geschrieben habe.

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