ÖVP Wien: Die „Sicherheits”-Quacksalber

Traurig muss es um die ÖVP Wien und ihre Spitzenkandidatin Christine Marek stehen, wenn sie trotz Wiener Wahlkampf im Somerloch mit so einer Geschichte kommen muss:

… heute ist die Situation leider mittlerweile geprägt von Handydiebstählen, Beschaffungskriminalität, Drogendealern und Gewaltübergriffen, trotz gestiegener Präsenz der Polizei in den U-Bahn-Bereichen. Wir wollen nicht, dass Vorfälle wie jener aus Deutschland, wo ein 50-jähriger Mann von Jugendlichen tot geprügelt wurde, auch in Wien passieren.
 
Daher müssen wir die Öffis sicherer machen, sagte die Landesparteiobfrau der ÖVP Wien, Christine Marek am 19. Juli.
 
Sie fordert daher Sicherheitsschleusen beim Zutritt in das Wiener U-Bahn-System.

ÖVP Wien Landesparteiobfrau StS Christine Marek mit 'Sicherheits'schleuse

Und stellte sich flugs für die Foto-Op in die dafür vorgesehene Schleuse.

Weiters meint Sie in einer Aussendung: Zugangskontrollen, wie sie in vielen Städten Europas bereits üblich seien, könnten helfen, Kriminalität im U-Bahnbereich zu verhindern.. Ja klar. Wie zum Beispiel in New York: „City sport: Turnstile jumping”.


Youtube: New York City Subway Turnstile Jumping

Den aufmerksamen Beobachtern wird es beim Weiterklicken durch den Youtube-Links schon aufgefallen sein: Sicherer wurde die U-Bahn in New York nicht durch die „Sicherheits”schleusen, sondern durch die Polizei-Präsenz.

Ich frage mich ja, wie so eine Zugangsbarriere etwas mit „Sicherheit” zu tun hat. Hat sie etwa einen Detektor eingebaut, der Handydiebe, Taschendiebe, Drogendealer und Gewalttäter erkennt und trotz gültigem Fahrschein nicht in die U-Bahn hinunter lässt? Das System würde ich gern einmal sehen.

Für mich wirkt die Idee von Fr. Marek eher so wie diese Lösung:
Umfahrun

Weiters will sich ÖVP Wien Landesparteiobfrau StS Christine Marek die Kontrollorgane bei den Zugangsbarrieren durch „Videoüberwachung der Zutrittssysteme” ersparen: „Eine Videoüberwachung bei Ein- und Ausgangs-terminals garantiert Sicherheit.”.
Wie „toll” sich die bereits vorhandene Videoüberwachung in den Stationen „bewährt, hat man ja heuer zum Beispiel schon an „Unbekannter stößt Mann auf U-Bahn-Gleise – Keine Spur vom Täter” leider schön gesehen. Nämlich GAR NICHT!

Was Fr. Marek anscheinend nicht mitbekommen hat ist, dass bei diesen Zutrittskontrollsystemen (die nämlich nichts mit dem Thema „Sicherheit” zu tun haben) in New York, Paris, London, … zumindest in der Stoßzeit mehrere Personen bei den Barrieren stehen und Leuten helfen, die nicht durchkommen, …
Dass diese Personen, die nicht zum Spaß dort stehen, auch Geld Kosten und auch überhaupt das ganze Projekt erst einmal finanziert werden müsste, dürfte ihr laut der APA/derstandard.at-Meldung von der PK relativ egal sein:

Schätzungen, wie viel Zugangskontrollen und E-Ticketing kosten würden, wollte die ÖVP nicht abgeben. Marek forderte die Wiener Linien auf, eine Machbarkeitsstudie auszuarbeiten und die Kosten mit dem Nutzen abzuwägen.

Klassische Politiker-Vorgehensweise. Irgendeine Idee populistisch mit Foto-Op präsentieren und die lästigen Details jemandem anderen überlassen. Irgendwie widert mich das gerade sehr an.

Und weil das alles noch nicht genug war, fordert Fr. Marek auch noch gleich ein „E-Ticketing für alle Wiener Verkehrsmittel” und preist dessen Vorteile: Abgebucht wird immer nur der günstigste Tarif … Schließlich wären auch endlich echte und aussagekräftige Fahrgaststrom-Analysen möglich..
Als kompetente IT-lerin und Datenschutzexpertin beruhigt sie natürlich auch etwaige Bedenken: … der Datenschutz durch das von der ÖVP Wien vorgeschlagene System voll gewährleistet sei. Nutzungsdaten und Namen können nur auf Wunsch des Kunden zusammengeführt werden. Ja, klar, so wie in London.

Ich würde Fr. Marek überhaupt einmal einen Trip nach London empfehlen. Dann würde sie ev. Sätze wie „Da E-Tickets im Vergleich zum Papierfahrschein fälschungssicher sind …” eventuell auch nicht mehr in eine Presseaussendung schreiben lassen: Hackers Crack London Tube’s Ticketing System, Oyster card hack to be published.

Von der zitierten Studie, die laut ÖVP Presseaussendung von der „Die empirische Evidenz spricht klar für Marek” M&R Institut f Marktforschung u Regionalumfragen OG (ohne Homepage, sic!), laut APA/derstandard.at aber von der GfK stammt, wollen wir gar nicht erst sprechen.

 

Ich frage mich, seit ich diesen Text schreibe, ob die ÖVP Wien diese „wir wollen das, haben aber noch nix durchgerechnet aber es ist uuuur super” Aktion ernst meinen, damit nur verzweifelt um Aufmerksamkeit heischen oder von einem ganz anderen, wesentlich wichtigeren Thema ablenken wollen.

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[Dienstag, 20100720, 20:46 | permanent link | 0 Kommentar(e)

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