Freie Wahl für freie Bürger - Schlusslicht Östereich (aktualisiert)

Heise.de berichtet heute:

Simon Phipps, ehemaliger Open-Source-Evangelist bei Sun, berichtete am Mittwoch in seinem Blog von einem Vortrag in Lettland in Sachen Open Document Format (ODF). Sein Vorredner, ein Vertreter der lettischen Regierung, hatte angekündigt, dass ab sofort alle Regierungsstellen in Lettland eingehende Dokumente als ODF akzeptieren müssten. Dies sei, wie das Projekt OSEPA (Open Source software usage by European Public Administrations) zeigt, keine auf den kleinen Baltenstaat begrenzte Aktion, sondern Teil einer Bewegung, die sich in den europäischen Verwaltungen abzeichne: Niemand wolle seinen Bürgern vorschreiben, für die Kommunikation mit Behörden ein kommerzielles Office-Paket nutzen zu müssen.
Am 27.12.2007 habe ich geschrieben:

Vernünftige/pragmatische Norweger

Die Norwegische Regerung hat drei Dokumentstandards benannt, die ab dem 1.1.2009 verpflichtend innerhalb der Regoerungsbehörden zu verwenden sind:

  • HTML für alle öffentlichen Informationen im WWW
  • PDF für alle Dokumente, bei denen es auf das Layout ankommt
  • ODF für alle Dokumente, welche der Empfänger bearbeiten muss

Hinzu kommt, dass bis 2014 alle bereits veröffentlichten Dokumente in dieses Format konvertiert werden müssen.

Und Österreich? Laut den ::reference egovernment: E-Government:: (weder WAI-konform noch per SSL authentifiziert) gibt es mit „formate 1.0.2” ein Dokument, welches die Dokumentenformate, die von Behörden zu verwenden, anzunehmen bzw. abzulehnen sind beinhaltet.

So dürfen laut dem Dokument Behörden nur Dokumente in den Formaten text/plain im ISO 7759-1 Encoding (also ohne Euro-Zeichen), PDF und RTF sowie HTML 4.0.1 bzw. XHTML 1.0 ausgeben. Diese Liste darf jedoch (leider?) von den Behörden um andere Einträge erweitert werden.

Bei der Auflistung der so genannten „praxisrelevanten Dokumentenformate” werden natürlich (2005!) nur die Microsoft-Dokumente angeführt. Lustig ist hier aber, dass die Autoren schreiben: Es sei darauf hingewiesen, dass – sofern technisch möglich – die Verwendung der zugehörigen XML Varianten (WordML, ExcelML, sowie weitere) zu bevorzugen ist, um zukünftig den größtmöglichen Grad an Interoperabilität zu erreichen. Wenn man das heute (Ende 2007) liest, stellt sich die Frage ob WordML vor zwei jahren wirklich die richtige Wahl gewesen wäre – schließlich gibts es dafür schon ein Nachfolgeformat. Und verfügt dieses über eine ähnliche Lebenserwartung? ;)

Ich würde mir vom österreichischen IKT-Board, den Ländern, Gemeinde- und Städtebund eine Überarbeitung dieses Konvention unter Berücksichtigung aktueller Aspekte sowie etwas mehr Mut bei der Festschreibung wünschen. Was macht es für einen Eindruck, wenn beim Großmeister des e-Government ein Ministerium die Microsoft, ein anderes die ODF-Formate als Standard definiert. So kanns doch nicht gehen.

Quellen:
Norway mandates open formats

Und Österreich? Es hat sich NICHTS verändert.
Die Regierungen, die sich regelmäßig in der Presse für ihre „Führungsrolle im e-government Bereich” feiern lassen, haben es seit nunmehr 6 Jahren für nicht notwendig befunden, ihre Empfehlungen bezgl. der Dokumentformate, welche die Behörden annehmen sollen, zu überarbeiten, während sich immer mehr europäische Länder das gut dokumentierte und implementierbare sowie frei verfügbare Open Document Format (ODF) entscheiden.

Also immer dran denken - Dokumente an Justiz, Finanz und Co. immer als WordML schicken! ;)

Nachtrag:

Peter Pfläging hat mich freundlicherweise via Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass sich in Wien – im Gegensatz zum Bund – sehr wohl etwas hinsichtlich der Dokumentformate bewegt.

In der Aufstellung „Dokumentenformate für die elektronische Kommunikation mit der Stadt Wien” (im schönen HTML Format!) werden die ODFs gleichwertig (eigentlich sogar vor) den alten Microsoft-Formaten (ohne XML, weil von Office Open XML hat ja nicht mal MS eine komplette Implementierung) angeführt. Ein schönes Zeichen, auch wenn sich sonst in Wien momentan bezgl. Linux, Open Data,… nach außen nicht viel tut.

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[Freitag, 20110121, 20:51 | permanent link | 0 Kommentar(e)

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